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35. Verleihung des Wilhelm-Auerswald-Preises, Gesellschaft der Ärzte

35. Verleihung des Wilhelm-Auerswald-Preises


Die Gesellschaft der Ärzte in Wien zeichnete drei herausragende wissenschaftliche Nachwuchsarbeiten aus.

Am 6. Oktober 2026 wurde im Billrothhaus zum 35. Mal der Wilhelm-Auerswald-Preis verliehen. Überreicht wurde der Preis von Mag. Andreas Punz, Medical Head Immunology bei sanofi-aventis GmbH, die das Preisgeld seit vielen Jahren stiftet.
Univ.-Prof. Dr. Wilhelm Auerswald (1917-1981), zu dessen Ehren der Preis jährlich vergeben wird, prägte als Ordinarius für Physiologie und Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Wien die medizinische Forschung und Lehre maßgeblich.


Auswahl der eingereichten Dissertationen

Zur Bewerbung eingeladen waren alle Personen, die im Vorjahr ihre Dissertation an einer Medizinischen Universität in Österreich erfolgreich abgeschlossen hatten. Die Auswahl und Bewertung der Arbeiten erfolgten durch das Kuratorium der Stiftung. Heuer wählte das Kuratorium fünf herausragende Kandidat*innen aus, die ihre Forschungsarbeiten im Rahmen der Veranstaltung im Billrothhaus der Jury unter dem Vorsitz von Univ.-Prof. Dr. Kurt Derfler (Ärztlicher Leiter des Instituts ATHOS und Past-Präsident der Austrian Apheresis Association (AAA), Wien) präsentierten.


1. Platz: Alain Ndayisaba, MD PhD: "Capturing neuropathological heterogeneity of synucleinopathies in iPSC-based CNS models matched to patients"

Department of Neurology, Medical University Innsbruck

Parkinson und Multisystematrophie sind biologisch heterogene Erkrankungen und bislang nicht heilbar. In seiner Arbeit verbindet Ndayisaba patientenabgeleitete Stammzellmodelle mit longitudinaler klinischer Phänotypisierung und Biomarkern, um patientenspezifische Krankheitsmechanismen und individuelles Therapieansprechen zu erfassen und die Grundlage für biologisch stratifizierte, präzisere klinische Studien zu schaffen.

2. Platz: DDr. Jakob Unterholzner: "The effects of transcranial magnetic stimulation on brain function in treatment-resistant depression as measured with positron emission tomography and magnetic resonance imaging"

Clinical Neurosciences, Medizinische Universität Wien, Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Klinische Abteilung für Allgemeine Psychiatrie, Ambulanz für ADHS im Erwachsenenalter

Die Arbeit untersucht die neurobiologischen Effekte der bilateralen Theta-Burst-Stimulation (TBS) bei therapieresistenter Depression. Mittels PET, MRT und MRS zeigten sich Hinweise auf Veränderungen des Serotonin-1A-Rezeptorsystems, einen Anstieg der Glutamatkonzentration im Stimulationsareal sowie veränderte funktionelle Konnektivität. Die Ergebnisse unterstreichen das Potenzial der TBS als nicht-invasive Behandlungsoption und liefern wichtige Ansatzpunkte für weitere Studien.

3. Platz: Dr. Katharina Vafiadis-Maruszczak, MSc, PhD: "Alpha Cell Function in Pediatric Metabolic Dysfunction-Associated Steatotic Liver Disease (MASLD)"

Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde

MASLD nimmt bei Kindern zu und betrifft ca. 30 % der adipösen Kinder und Jugendlichen. Untersucht wurde, ob Leberfettgehalt (LFC) und Glukagon assoziiert sind und ob der Aminosäurestoffwechsel vom LFC beeinflusst wird. Nüchternglukagon korrelierte positiv mit dem LFC und am stärksten mit hepatischer Insulinresistenz. Nur verzweigtkettige Aminosäuren (BCAA) korrelierten mit Glukagon und HOMA-IR. Neben der Leberfettmenge scheinen Fettverteilung und Insulinsensitivität für MASLD entscheidend.

 

Folgende Kandidat*innen wurden ebenfalls zur Präsentation ihrer herausragenden Arbeiten eingeladen:

Dr. Daniel Bormann, BSc PhD (Medical University of Vienna, Department of Thoracic Surgery), mit seiner Arbeit „A single cell resolution transcriptomic landscape of the neuroglial response to ischemic stroke”:
Glia- und Immunzellen prägen maßgeblich die Reaktion des Gehirns auf einen Hirninfarkt. In dieser Studie wurde das molekulare Profil der vielfältigen Glia- und Immunzellen sowie deren Interaktion im akuten Infarktgewebe in Einzelzellauflösung kartiert. So konnte unter anderem ein neuer Signalweg identifiziert werden, über den Immunzellen mittels des Proteins Osteopontin die Ansammlung von Gliazellen über den Rezeptor CD44 im geschädigten Gewebe steuern und so die Zusammensetzung des Infarktgewebes fundamental prägen.

Barbara Altendorfer, PhD (Institute of Molecular Regenerative Medicine, Paracelsus Medical University, Salzburg) mit ihrer Arbeit „Omega-3 Polyunsaturated Fatty Acid Eicosapentaenoic Acid as a Modulator of Microglial Function in Alzheimer’s Disease”:
Im Blut zirkulierende Faktoren außerhalb des Gehirns können die Alzheimer-Krankheit beeinflussen, indem sie die Funktion der Immunzellen des zentralen Nervensystems, der Mikroglia, verändern. Die beobachteten Effekte korrelierten sowohl mit der Kognition der Patienten als auch mit der Blutkonzentration der Omega-3-Fettsäure EPA. In einem präklinischen Alzheimer-Modell förderte EPA ein gesünderes Darmmikrobiom und reduzierte die entzündliche Aktivierung der Mikroglia im Gehirn.


Die Gesellschaft der Ärzte in Wien gratuliert den Preisträger*innen herzlich und dankt sanofi-aventis GmbH für die langjährige Unterstützung des wissenschaftlichen Nachwuchses.





V.l.n.r.:
1. Reihe: Dr. Katharina Vafiadis-Maruszczak, MSc, PhD, Alain Ndayisaba, MD PhD, DDr. Jakob Unterholzner, Barbara Altendorfer, PhD
2. Reihe: Dr. Daniel Bormann, BSc PhD, Assoc.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Rupert Lanzenberger, Univ.-Prof. DDr. Christoph Binder, Univ.-Prof. Dr. Reinhart Jarisch, Univ.-Prof. Dr. Kurt Derfler, Mag. Andreas Punz


(Foto: Gesellschaft der Ärzte in Wien)